Geschichte der Harmonik

Im Folgenden unternehmen wir eine kleine Zeitreise von der Gegenwart der Harmonik, die neben anderem Aktivitäten auch von unserem Verein mit gestaltet und erlebt wird, über Hans Kayser, Victor Goldschmidt, Albert von Thimus, Johannes Kepler, Robert Fludd bis in die Antike zu Platon und den Bund der Pythagoreer.

Hans Kayser - der Gründer der harmonikalen Lehre vom Klang der Welt

Hans Kayser (1891-1964)

(* 1. April 1891 in Buchau, Württemberg; † 14. April 1964 in Bern) war ein deutscher Kunst- und Musiktheoretiker und Begründer der modernen harmonikalen Grundlagenforschung im 20. Jahrhundert.

"In erster Linie ist die Harmonik eine Ganzheitslehre. Das heißt, sie versucht, Welt und Menschheit unter ganzheitlichen Gesichts- und Hörpunkten zu erfassen. Das wissenschaftliche Mittel hierzu ist für die Harmonik das Urphänomen der Tonzahl – …"
So sieht Kayser beispielsweise in der Quantentheorie Max Plancks mit ihren diskontinuierlich anwachsenden, diskreten Energieniveaus und der Obertonreihe der Musiktheorie ähnliche naturgesetzliche Prinzipien verwirklicht. Auch in den Dimensionsverhältnissen und Zahlenproportionen kristalliner Körper sieht er Parallelen zu den harmonischen Verhältnissen der Töne. Dabei verweist Kayser auf Schriften der Kristallographen Victor Mordechai Goldschmidt und Christian Samuel Weiss , welche Analogien zwischen ihrer Wissenschaft und der Musiktheorie zogen.

Auf Leben und Werk von Hans Kayser wird an anderer Stelle noch ausführlicher eingegangen.

Victor Goldschmidt - der Entdecker der Harmonie der Kristallstrukturen

Victor Goldschmidt (1853-1933)

* 10. Februar 1853 in Mainz; † 8. Mai 1933 in Salzburg) war ein deutscher Mineraloge, Kristallograph, Naturphilosoph, Mineraliensammler und Mäzen.

"Die Harmonie ist der Schlüssel zum Verständnis der Natur, indem sie das auswählt, was unseren einzelnen Sinnen und dem widerbildendem Vereiniger der Sinneswahrnehmungen, dem Geist, angepasst in der Aussenwelt enthalten ist. Aber nur daraus besteht die unserer Erkenntnis zugängliche Natur. Erkenntnistheorie ist daher die Zusammenfassung derjenigen Gesetze, die dem Geist und der Aussenwelt gemeinsam ist. ....
Heidelberg, im Dezember 1900.

Siehe eine Ausarbeitung "Weltklang der Metalle" HIER.

Er geht auf diese Weise sozusagen den entgegengesetzten Weg wie später Hans Kayser, der sich, ausgehend von der Musik, auf die Suche begibt nach Entsprechungen in den Formen und Strukturen der Natur.

Albert von Thimus - der Wiederentdecker der Harmonik

Albert von Thimus (1806-1876) 

Albert von Thimus hat im 19. Jahrhundert eine entscheidende Weiche gestellt, um die Harmonik zu etablieren. Harmonik verstand er als eine auf Zahlenverhältnisse basierende, sich in Musik, Architektur, Kunst, Kultur usw. ausdrückende Proportionslehre. Musik basiert auf Zahlen und deren Verhältnissen zueinander. Die gleichen Gesetzmäßigkeiten der Musik spiegeln sich auch im Menschen und in der Welt wieder. Von Thimus baute durch seine Forschungen eine Brücke, die zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert vermittelte. Sein Werk verstand er als Rekonstruktion ursprünglicher pythagoreischer Weisheit.

Von Thimus sah seine Aufgabe darin, die pythagoreische Schule aus harmonikalen Wurzeln abzuleiten und so einen Beitrag zu einer einheitlichen und ganzheitlichen Weltsicht zu leisten. Er arbeitete das Sefer Jezira, das I Ging, ägyptische, orientalische, griechische, lateinische Texte usw. in sein Buch ein, die er im Sinne einer harmonikalen Art und Weise interpretierte.
“Die harmonikale Symbolik des Altertums”

Johannes Kepler, Entdecker der Harmonie der Planetenbahnen

Johannes Kepler (1571-1613)

Der Astronom, Astrologe und Mathematiker Johannes Kepler schreibt im 17. Jahrhundert:
,,Unser Bildner hat zu den Sinnen den Geist gefügt, nicht bloß, damit der Mensch seinen Lebensunterhalt erwerbe – das können viele Arten von Lebewesen mit ihrer vernunftlosen Seele viel geschickter. Sondern auch dazu, dass wir vom Sein der Dinge, die wir mit Augen betrachten, zu den Ursachen ihres Seins und Werdens vordringen, wenn auch offensichtlich kein Nutzen damit verbunden ist."

"Die Geometrie ist vor der Erschaffung der Dinge, gleich ewig wie der Geist Gottes selbst und hat in ihm die Urbilder der Erschaffung der Welt geliefert."

Harmonices Mundi, 1619

Robert Fludd, ein englischer Philosoph, Theosoph und Mediziner

Robert Fludd (1574-1637)

war ein englischer Philosoph, Theosoph und Mediziner.

Der Astronom Johannes Kepler griff Fludd an wegen der in dessen Büchern verwendeten Bilder und Hieroglyphen. Den nach hermetischer Manier von Fludd verwendeten Zahlen stellte Kepler seine wahrhaft mathematischen Diagramme gegenüber.

“Monochordium Mundi symphoniacum”

Pythagoras eine Figur iam Westportal der Kathedrale Chartres

Die Schule von Chartres (11./12. Jhd. n. Chr.)

Die Domschule zu Chartres erreichte im 11./12. Jahrhundert europaweit Berühmtheit. Sie wurde von Fulbertus von Chartres (* um 950; † 1028) ganz im platonischen Sinn als „Akademie“ eingerichtet. Maßgeblich für die philosophische Arbeit war ein neuer Platonismus, insbesondere die Idee Platons von einer Weltseele als kosmologisches Prinzip. Von den Schriften Platons war die lateinische Übersetzung der Timaios bekannt. Diese Schrift hat bei den Interpretationen eine besondere Rolle gespielt. Damit war gewährleistet, dass die Grundideen der Harmonik ernst genommen wurden. Das erklärt, wie es mit dem Neubau der Kathedrale von Chartres von 1194 bis 1260 n. Chr. zu der noch heute überwältigenden Verwirklichung der Form- und Proportionsideen der pythagoreischen Harmonik kommen konnte. Und deshalb begegnet dem Besucher im mittleren Westportal der Kathedrale bis heute eine Figur, die Pythagoras darstellt (siehe Bild links).

Die Neu-Platoniker (3. – 6. Jht. n.Chr.)

Unter Neuplatonismus versteht man heute die jüngste und letzte bedeutende Strömung der griechischen Philosophie. Er entstand vor der Mitte des 3. Jahrhunderts von Rom aus, wo der Philosoph Plotin († 270) eine neue Philosophenschule gegründet hatte. Sie breitete sich von dort aus über das Römische Reich aus. Als letzter Vertreter der antik-griechischen Philosophie führte sie die Auseinandersetzung mit dem bereits zur römischen Staatsreligion gewordenen Christentum.

Die Ausbreitung dieser Schule nach Osten führte insbesondre zu der Lehre von Iamblichos von Chalkis  († um 320/325), die von der ursprünglichen römischen Schule von Plotin deutlich abwich. Diese Entwicklung führte schließlich mit dem Gelehrten Boethius (480/485 - 524/526 n. Chr.) zurück nach Rom. Beide sind für die Weitertragung der pythagoreischen Harmoniklehre durch die Geschichte von besonderer Bedeutung.

Boethius Neuplatoniker

Boethius (480/485 - 524/526 n. Chr.)

Iamblichos verfasste in griechischer Sprache eine Gesamtdarstellung der pythagoreischen Lehre. Von den insgesamt zehn Büchern sind nur die Bücher 1 bis 4 erhalten. Für die Weitergabe der pythagoreischen Harmonik ist insbesondere das zweite Buch, Protreptikos (Aufruf) zur Philosophie von Bedeutung. Viele für das weiterführende Verständnis der Harmonik-Ideen von Pythagoras sind offensichtlich in den verloren gegangenen Büchern nicht mehr verfügbar.

Iamblichos Neuplatoniker

Iamblichos (240/245 - 320/325 n. Chr.)

Iamblichos verfasste in griechischer Sprache eine Gesamtdarstellung der pythagoreischen Lehre. Von den insgesamt zehn Büchern sind nur die Bücher 1 bis 4 erhalten. Für die Weitergabe der pythagoreischen Harmonik ist insbesondere das zweite Buch, Protreptikos (Aufruf) zur Philosophie von Bedeutung. Viele für das weiterführende Verständnis der Harmonik-Ideen von Pythagoras sind offensichtlich in den verloren gegangenen Büchern nicht mehr verfügbar.

Platon Förderer der Harmonik

Platon (428/427- 348/347 v. Chr.)

Er war Schüler des Sokrates, dessen Denken und Methode er in vielen seiner Werke schilderte. Die Vielseitigkeit seiner Begabungen und die Originalität seiner wegweisenden Leistungen als Denker und Schriftsteller machten Platon zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Geistesgeschichte.

Insbesondere in “Timaios” ein intensiv diskutiertes Forschungsthema sind die Mischungsvorgänge bei der Erschaffung der Weltseele durch den Schöpfergott, den Demiurgen, und der Einzelseelen durch die ihm untergeordneten Götter. Hervorgehoben wird die Rolle der Mittelwerte (geometrisches, harmonisches und arithmetisches Mittel) bei der Darstellung der mathematischen Grundlage der Erschaffung der Weltseele. Wahrscheinlich hat Platon bei seinen Angaben zur Struktur der Weltseele die mathematischen Verhältnisse berücksichtigt, die der musikalischen Harmonie zugrunde liegen. Die musiktheoretische Deutung der angegebenen Zahlenverhältnisse hat er aber nicht thematisiert, sondern entsprechende Folgerungen dem sachkundigen Leser überlassen. Wie naheliegend die musikalischen Implikationen sind, darüber gehen in der Forschung die Meinungen auseinander.

Pythagoras der Vater der Harmonik

Pythagoras (ca. 570-490 v.Chr.)
Der Philosoph und Wissenschaftler Pythagoras, so wie der Bund der Pythagoreer können als die Gründungsväter der harmonikalen Philosophie des Abendlandes betrachtet werden. Von Pythagoras selbst wissen wir nur sehr wenig, das liegt daran, dass er uns keinerlei Schriften hinterlassen hat.

Was wir über ihn mit Sicherheit wissen, geht – abgesehen von wenigen Fragmenten einiger Vorsokratiker – auf vereinzelte Nachrichten bei Herodot (ca. 490 – 420 v. Chr.) und Platon (427 – 347 v. Chr) zurück. Dazu kommen noch einige  relativ wahrscheinliche Überlieferungen bei Aristoteles (384 v. Chr) und seinen Schülern Eudemos und Aristoxenos hinzu, die den letzten Augenzeugen des Pythagoras, Philolaos noch kannten.

Die einzigen direkten Überlieferungen pythagoreischen Gedankenguts, insbesondere auch in Bezug auf die Pythagoreische Tetraktys finden sich in den Fragmenten des Pythagoreers Philolaos (um 450 v.Chr.):

Antikes Quellmaterial zur Tetraktys